Von Kirsten Finke · Oktober 2026 · Lesezeit 7 Minuten
Auf vielen Rechnungen, die ich prüfe, steht irgendwo ein geschätzter Zählerstand. Kaum jemand bemerkt das, weil die wenigsten wissen, welche Zahl auf dem Zähler eigentlich zählt. Genau diese Zahl entscheidet aber über deine Jahresabrechnung und über den Abschlag, den du das ganze nächste Jahr bezahlst.
Auf einem älteren Zähler mit Drehscheibe siehst du eine Reihe von Ziffern, oft mit einer oder zwei farbig abgesetzten Stellen am Ende. Abgerechnet wird nur, was vor dem Komma steht. Die abgesetzten Stellen sind Bruchteile einer Kilowattstunde und fallen bei der Abrechnung weg.
Notiere also die ganze Zahl vor dem Komma, zusammen mit der Zählernummer und dem Datum. Die Zählernummer steht auf dem Typenschild, meistens unter oder neben dem Zählwerk, und sie muss mit der Nummer auf deiner Rechnung übereinstimmen. Stimmt sie nicht, liest du den falschen Zähler ab. In Mehrfamilienhäusern mit einer ganzen Reihe Zähler im Keller kommt das öfter vor, als man glaubt. Beim Gaszähler funktioniert das Ablesen genauso, nur zeigt das Zählwerk dort Kubikmeter statt Kilowattstunden.
In den Kellern im Rhein-Neckar-Kreis hängen heute drei Arten von Stromzählern nebeneinander. Welcher bei dir sitzt, entscheidet darüber, wie du abliest.
| Zählertyp | Woran du ihn erkennst | Was du abliest |
|---|---|---|
| Ferraris-Zähler | Drehscheibe und mechanisches Zählwerk | die Ziffern vor dem Komma |
| Moderne Messeinrichtung | digitales Display, keine Datenverbindung | den Wert bei 1.8.0 |
| Intelligentes Messsystem | digitales Display mit Kommunikationseinheit | den Wert bei 1.8.0, er wird zusätzlich automatisch übertragen |
Der Ferraris-Zähler mit der sich drehenden Scheibe ist das alte Modell und wird nach und nach ersetzt, in älteren Häusern in Dossenheim oder Schriesheim hängt er aber noch oft. Die moderne Messeinrichtung ist sein digitaler Nachfolger, mit einem Display statt Zählwerk, aber ohne Verbindung nach außen. Erst das intelligente Messsystem, umgangssprachlich Smart Meter genannt, schickt die Werte selbst an den Messstellenbetreiber.
Auf dem Display einer modernen Messeinrichtung wechseln sich mehrere Werte ab. Jeder trägt eine Kennzahl, und auf die kommt es an. Für deine Stromrechnung zählt der Wert neben 1.8.0, also der gesamte Strom, den du bezogen hast.
Hast du einen Zweitarifzähler, etwa für eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung, stehen zusätzlich 1.8.1 und 1.8.2 im Display. Das sind die beiden Tarifzeiten, die getrennt abgerechnet werden. Den Gesamtstand zeigt das Display in der Regel ohne weitere Eingabe. Für Zusatzwerte wie den Verbrauch der letzten Tage brauchst du eine PIN, die du beim Messstellenbetreiber anfordern kannst.
Mit einer Solaranlage auf dem Dach bekommst du einen Zweirichtungszähler. Er misst getrennt, was du aus dem Netz beziehst und was du einspeist. Beziehst du Strom, steigt der Wert bei 1.8.0. Speist du ein, steigt der Wert bei 2.8.0.
An dieser Stelle passieren die meisten Ablesefehler. Wer beide Werte addiert oder den falschen meldet, bekommt eine Rechnung, die hinten und vorne nicht passt. An der Bergstraße, wo auf vielen Einfamilienhäusern Module liegen, sehe ich das regelmäßig. Für deinen Bezugsvertrag zählt ausschließlich der Wert bei 1.8.0.
Liegt dem Versorger zum Stichtag der Abrechnung kein abgelesener Wert vor, schätzt er den Verbrauch, meistens auf Grundlage des Vorjahres. Geregelt ist die Verbrauchsermittlung in § 40a des Energiewirtschaftsgesetzes. Auf der Rechnung erkennst du eine Schätzung meistens an einem Vermerk wie geschätzt oder an einem Kürzel neben dem Zählerstand.
Nimm einen Zwei-Personen-Haushalt in Heidelberg mit einem Arbeitspreis von 32 Cent je Kilowattstunde.
| Geschätzter Verbrauch laut Rechnung | 3.400 kWh |
| Tatsächlich abgelesen | 3.050 kWh |
| Zu viel berechnet | 350 kWh |
| Bei 32 ct/kWh | 112,00 € |
| Folge für den neuen Abschlag | rund 9,33 € pro Monat zu hoch |
Beispielwerte zur Veranschaulichung. Deine tatsächlichen Werte stehen auf deiner Jahresabrechnung.
Die 112 Euro sind nicht verloren, sie werden mit der nächsten echten Ablesung verrechnet. Unangenehmer ist der zweite Effekt. Dein neuer Abschlag wird auf Grundlage der zu hohen Schätzung berechnet, und du zahlst ein ganzes Jahr lang rund neun Euro im Monat zu viel. Wie du einen Abschlag selbst nachrechnest, steht in einem eigenen Beitrag.
Lies den Zähler selbst ab und fotografiere das Display so, dass Zählernummer und Stand zusammen im Bild sind. Das Foto trägt ein Datum, und damit hast du einen Beleg, der mehr wiegt als jede Schätzung.
Schick den Stand mit dem Foto an deinen Versorger und bitte um eine korrigierte Abrechnung. Einen plausiblen, belegten Zählerstand übernimmt der Versorger in aller Regel ohne lange Diskussion. Warte damit nicht zu lange, weil sich ein Stand im Nachhinein schwer auf einen bestimmten Tag zurückrechnen lässt. Welche weiteren Ursachen hinter einer hohen Nachzahlung stecken können, habe ich hier gesammelt.
Nach dem Messstellenbetriebsgesetz wird ein intelligentes Messsystem ab bestimmten Schwellen verpflichtend eingebaut. Das gilt bei einem Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden, bei einer Solaranlage mit mehr als 7 Kilowatt Leistung und bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen oder Wallboxen nach § 14a EnWG.
Den Einbau übernimmt der Messstellenbetreiber, und die jährlichen Kosten dafür sind gesetzlich gedeckelt. Für die Abrechnung ändert sich vor allem eines: Du musst nicht mehr selbst ablesen, weil die Werte automatisch übertragen werden. Geschätzte Zählerstände werden damit deutlich seltener.
Zwei Momente sind beim Ablesen wichtiger als alle anderen. Der Tag, an dem du einziehst oder ausziehst, und der Tag, an dem ein neuer Liefervertrag beginnt. An beiden Stichtagen wird der Verbrauch zwischen zwei Parteien aufgeteilt, und wer dann keinen eigenen Stand hat, muss sich auf die Zahlen der anderen verlassen.
Wer neu nach Dossenheim, Heidelberg oder Mannheim zieht, sollte den Zählerstand deshalb zu den ersten Dingen zählen, die erledigt werden, noch vor dem Auspacken. Wie die Anmeldung beim Einzug abläuft und welche Fristen beim Wechsel gelten, habe ich an anderer Stelle beschrieben.
Viele Menschen melden sich bei mir, weil ihnen eine Abrechnung seltsam vorkommt, und nicht selten liegt es am Zählerstand und nicht am Tarif. Ein Foto vom Zähler und die letzte Jahresrechnung reichen mir, um das zu klären. Mein Büro ist in Dossenheim, ich arbeite für Haushalte in Heidelberg, Mannheim und im ganzen Rhein-Neckar-Kreis. Was ich dabei prüfe und warum dich das nichts kostet, steht auf meiner Seite zur Beratung.
Beim Stromzähler wird nur die Zahl vor dem Komma abgerechnet, farbig abgesetzte Nachkommastellen fallen weg. Auf einem digitalen Stromzähler gilt der Wert neben der Kennzahl 1.8.0. Notiere außerdem die Zählernummer vom Typenschild und das Datum. In meiner Beratung in Dossenheim bitte ich immer um ein Foto, auf dem Zählernummer und Zählerstand gemeinsam zu sehen sind.
Die Kennzahl 1.8.0 zeigt den gesamten Strom, den du aus dem Netz bezogen hast, und ist für deine Stromrechnung maßgeblich. Die Kennzahl 2.8.0 zeigt den Strom, den eine Photovoltaikanlage ins Netz eingespeist hat. Beide Werte werden getrennt abgerechnet und nie addiert. An der Bergstraße, wo viele Häuser eine Solaranlage haben, sehe ich diese Verwechslung regelmäßig.
Einen geschätzten Zählerstand kannst du jederzeit korrigieren lassen. Lies den Zähler selbst ab, fotografiere Display und Zählernummer zusammen und schick beides mit der Bitte um eine berichtigte Abrechnung an deinen Versorger. Ein plausibler, belegter Stand wird in aller Regel übernommen. Bei einem Beispielhaushalt in Heidelberg machte eine um 350 Kilowattstunden zu hohe Schätzung bereits 112 Euro aus.
Ein intelligentes Messsystem wird nach dem Messstellenbetriebsgesetz verpflichtend eingebaut, wenn der Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden liegt, eine Solaranlage mehr als 7 Kilowatt leistet oder eine steuerbare Verbrauchseinrichtung wie Wärmepumpe oder Wallbox nach § 14a EnWG angeschlossen ist. Den Einbau übernimmt der Messstellenbetreiber, im Rhein-Neckar-Kreis meist der örtliche Netzbetreiber, und die jährlichen Kosten sind gesetzlich gedeckelt.
Der Messstellenbetreiber steht auf deiner Jahresabrechnung, meistens im Abschnitt zu den Netzentgelten oder zum Messstellenbetrieb. In den meisten Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis ist das der örtliche Netzbetreiber, der als grundzuständiger Messstellenbetreiber für den Zähler verantwortlich ist. Beim Messstellenbetreiber forderst du auch die meist vierstellige PIN für einen digitalen Zähler an, wenn du den Verbrauch der letzten Tage sehen möchtest.
Abschlag
Abschlag zu hoch oder zu niedrig? So rechnest du es selbst nach
Weiterlesen →Abrechnung
Hohe Nachzahlung bei Strom oder Gas: Woran es liegen kann
Weiterlesen →Gasrechnung
Hohe Gasrechnung? Warum Kubikmeter und Kilowattstunden nicht dasselbe sind
Weiterlesen →
Kirsten Finke
Persönliche Energiekostenberatung in Dossenheim. Seit 2013 in der Energiebranche.