Von Kirsten Finke · September 2026 · Lesezeit 7 Minuten
Bei Strom rechnet fast jeder mit Kilowattstunden. Bei Gas steht auf dem Zähler etwas ganz anderes, nämlich Kubikmeter, und auf der Rechnung stehen trotzdem Kilowattstunden. Dazwischen liegt eine Umrechnung, die kaum jemand kennt, und genau in ihr steckt der Grund, warum Gasrechnungen so schwer zu prüfen sind.
Dein Gaszähler kann nur eines: das durchgeströmte Volumen messen. Bezahlt wird aber Energie. Wie viel Energie in einem Kubikmeter Gas steckt, hängt davon ab, was genau geliefert wurde und unter welchen Bedingungen es bei dir ankommt.
Deshalb rechnet dein Versorger nach dieser Formel: Kubikmeter mal Zustandszahl mal Brennwert ergibt Kilowattstunden. Beide Faktoren stehen auf deiner Jahresabrechnung, meistens klein und unkommentiert.
Die Zustandszahl gleicht Temperatur und Luftdruck aus. Sie sorgt dafür, dass ein Kubikmeter in einem Keller in Dossenheim energetisch genauso bewertet wird wie einer in einem höher gelegenen Ort. Sie liegt fast immer nahe 0,95 und verändert sich kaum.
Der Brennwert ist die spannendere Zahl. Er gibt an, wie viel Energie tatsächlich in einem Kubikmeter des gelieferten Gases steckt, und liegt bei Erdgas meistens zwischen 10 und 12 Kilowattstunden. Anders als die Zustandszahl schwankt er mit der Gasqualität, und er wird vom Netzbetreiber laufend gemessen.
Nimm ein Einfamilienhaus im Rhein-Neckar-Kreis mit 1.500 Kubikmetern Gasverbrauch im Jahr.
| Abgelesener Verbrauch | 1.500 m³ |
| Zustandszahl | 0,95 |
| Brennwert | 11,2 kWh/m³ |
| Abgerechnete Energie | 1.500 × 0,95 × 11,2 = 15.960 kWh |
| Bei 11 ct/kWh plus 12 € Grundpreis | 1.899,60 € im Jahr |
Genau hier sitzt der Punkt, der Kunden regelmäßig überrascht. Steigt der Brennwert von 11,2 auf 11,6, werden aus denselben 1.500 Kubikmetern plötzlich 16.530 Kilowattstunden statt 15.960.
| Brennwert | Abgerechnete Energie | Arbeitspreis-Anteil |
|---|---|---|
| 11,2 kWh/m³ | 15.960 kWh | 1.755,60 € |
| 11,6 kWh/m³ | 16.530 kWh | 1.818,30 € |
Beispielwerte zur Veranschaulichung. Deine tatsächlichen Werte stehen auf deiner Jahresabrechnung.
Das sind 570 Kilowattstunden mehr, ohne dass jemand die Heizung höher gedreht hätte. Bei elf Cent je Kilowattstunde macht das 62,70 Euro. Der Verbrauch am Zähler ist identisch geblieben, die Rechnung nicht.
Wer seine Gasrechnung selbst nachrechnen will, braucht drei Zahlen, und alle drei stehen auf der Abrechnung. Den abgelesenen Verbrauch in Kubikmetern, die Zustandszahl und den Brennwert. Multipliziert ergeben sie die abgerechneten Kilowattstunden.
Stimmt diese Zahl nicht mit der auf der Rechnung überein, lohnt eine Nachfrage. In den allermeisten Fällen stimmt sie allerdings, und der eigentliche Hebel liegt woanders.
An Zustandszahl und Brennwert kannst du nichts ändern. Beides bestimmt der Netzbetreiber und die Beschaffenheit des Gases. Was du beeinflussen kannst, sind Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit und die Reichweite deiner Preisgarantie.
In meiner Arbeit sehe ich immer wieder Haushalte, die monatelang über den Brennwert grübeln und dabei übersehen, dass ihr Arbeitspreis seit zwei Jahren nicht mehr marktüblich ist. Die Umrechnung zu verstehen ist wichtig, damit man die Rechnung lesen kann. Geld spart man an einer anderen Stelle.
Neben Arbeitspreis und Grundpreis stecken in jeder Gasrechnung Posten, die nicht dein Versorger festlegt. Das Netzentgelt geht an den örtlichen Netzbetreiber und fällt von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich aus. Dazu kommen das Messstellenentgelt für Zähler und Ablesung, die Konzessionsabgabe an die Kommune, die Erdgassteuer und der CO2-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz.
Diese Posten sind für alle Anbieter in deinem Netzgebiet identisch. Wer Angebote vergleicht, vergleicht also nur den Teil, den der Versorger selbst bestimmt. Das ist ein kleinerer Anteil, als die meisten vermuten, und es erklärt, warum die Unterschiede zwischen Gasanbietern geringer ausfallen als beim Strom.
Ein Punkt kommt bei Gas noch dazu, den es bei Strom so nicht gibt. Die Ablesung erfolgt oft nicht taggenau zum Jahreswechsel, sondern irgendwann im Abrechnungszeitraum, und der Rest wird geschätzt. Fällt die Schätzung in eine kalte Phase, rutscht Verbrauch aus dem einen ins andere Jahr.
Das ist kein Fehler, aber es erklärt, warum zwei aufeinanderfolgende Jahresrechnungen stark auseinanderlaufen können, obwohl sich am Heizverhalten nichts geändert hat. Welche Ursachen bei einer Nachzahlung sonst noch infrage kommen, habe ich in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.
Drei Anlässe sprechen für einen Blick auf den Gasvertrag. Wenn die Preisgarantie ausläuft, weil danach häufig ohne große Ankündigung ein anderer Preis gilt. Wenn eine Nachzahlung kommt, die du dir nicht erklären kannst. Und wenn du nie aktiv einen Vertrag abgeschlossen hast, denn dann steckst du in der Grundversorgung.
Der günstigste Zeitpunkt für eine Prüfung liegt im Frühjahr oder Sommer. Dann ist die Heizperiode vorbei, die Jahresabrechnung liegt vor, und ein neuer Vertrag kann in Ruhe zum Winter starten. Wer erst im Januar anfängt zu vergleichen, entscheidet unter Zeitdruck und meistens schlechter. Welche Kündigungsfristen dabei gelten, steht hier.
Noch eine Beobachtung aus der Praxis. Viele Haushalte haben Strom und Gas beim selben Anbieter, weil das einmal bequem war. Ein Kombivertrag ist aber kein Rabatt, sondern nur ein gemeinsamer Briefkopf. Es kommt regelmäßig vor, dass der Stromteil gut kalkuliert ist und der Gasteil seit Jahren nicht mehr, oder umgekehrt. Deshalb schaue ich mir beide getrennt an.
Für Betriebe, Praxen und Hausverwaltungen gilt dasselbe Prinzip, nur mit größeren Zahlen. Bei einem Mehrfamilienhaus in Heidelberg oder einem Gastronomiebetrieb in Mannheim liegen die Jahresmengen schnell beim Zehnfachen eines Privathaushalts, und ein Zehntel Brennwert mehr bewegt dann keine 60 Euro, sondern mehrere Hundert.
Ich schaue mir Gasverträge genauso an wie Stromverträge. Mein Büro ist in Dossenheim, ich arbeite für Haushalte und Betriebe im gesamten Rhein-Neckar-Kreis, und die Prüfung kostet dich nichts.
Dein Gaszähler misst nur Volumen, also Kubikmeter. Abgerechnet wird aber Energie in Kilowattstunden. Die Umrechnung läuft über zwei Faktoren: die Zustandszahl und den Brennwert. Beide stehen auf deiner Jahresabrechnung. 1.500 Kubikmeter ergeben bei einer Zustandszahl von 0,95 und einem Brennwert von 11,2 rund 15.960 Kilowattstunden.
Der Brennwert steht auf deiner Jahresabrechnung, meist im Kleingedruckten neben dem Verbrauch. Er wird vom Netzbetreiber für dein Gebiet ermittelt und liegt bei Erdgas meistens zwischen 10 und 12 Kilowattstunden je Kubikmeter. Er ist keine Erfindung deines Versorgers, sondern hängt an der gelieferten Gasqualität.
Ja, denn der Brennwert ist keine vertragliche Größe, sondern eine physikalische. Er schwankt mit der Zusammensetzung des gelieferten Gases und wird vom Netzbetreiber fortlaufend gemessen. Steigt er, werden aus denselben Kubikmetern mehr Kilowattstunden. Prüfen kannst du das, indem du den Wert mit dem des Vorjahres vergleichst.
Ja, und das lohnt sich. Notiere die Zahl vor dem Komma, die Nachkommastellen sind meist rot abgesetzt und werden nicht abgerechnet. Ein Foto mit Datum genügt als Beleg. Wer einmal im Quartal abliest, merkt früh, wenn der Verbrauch aus dem Ruder läuft, und nicht erst mit der Jahresrechnung.
Weil die Zustandszahl unter anderem von der Höhenlage abhängt. Sie gleicht aus, dass ein Kubikmeter Gas bei unterschiedlichem Luftdruck unterschiedlich viel Energie enthält. In Dossenheim kann sie deshalb minimal anders ausfallen als in einem höher gelegenen Ort. Die Werte liegen üblicherweise nahe 0,95.
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Kirsten Finke
Persönliche Energiekostenberatung in Dossenheim. Seit 2013 in der Energiebranche.