Von Kirsten Finke · Oktober 2026 · Lesezeit 7 Minuten
Seit Anfang 2025 muss jeder Stromversorger einen dynamischen Tarif anbieten. Seitdem höre ich in der Beratung oft dieselbe Frage: Spare ich damit, wenn ich eine Wärmepumpe oder ein E-Auto habe? Ob sich das rechnet, hängt weniger vom Tarif ab als davon, wann du deinen Strom brauchst.
Bei einem normalen Vertrag zahlst du für jede Kilowattstunde denselben Arbeitspreis, egal ob du nachts oder am frühen Abend verbrauchst. Bei einem dynamischen Tarif folgt der Arbeitspreis dem Großhandelspreis an der Strombörse. Der wird für jeden Tag im Voraus festgelegt, stündlich oder in Viertelstunden, und ändert sich damit mehrmals am Tag.
Geregelt ist das Angebot in § 41a des Energiewirtschaftsgesetzes. Früher waren nur große Versorger dazu verpflichtet, seit dem 1. Januar 2025 gilt die Pflicht für alle. Abschließen kannst du so einen Tarif allerdings nur, wenn bei dir ein intelligentes Messsystem eingebaut ist.
Viele unterschätzen, wie klein der bewegliche Teil ist. Nur der Energieanteil folgt der Börse. Netzentgelte, Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgabe bleiben fest, dazu kommen der Aufschlag des Anbieters und die Mehrwertsteuer.
| Preisbestandteil | Im dynamischen Tarif |
|---|---|
| Börsenpreis für die Energie | schwankt mehrmals am Tag |
| Aufschlag des Anbieters | fest je Kilowattstunde |
| Netzentgelte | fest, mit § 14a teils zeitvariabel |
| Umlagen, Stromsteuer, Konzessionsabgabe | fest |
| Grundpreis | fest pro Monat |
| Mehrwertsteuer | 19 % auf alles |
Selbst wenn der Börsenpreis in einer sonnigen Mittagsstunde bei null liegt, zahlst du also weiter einen spürbaren Betrag pro Kilowattstunde. Umgekehrt schlägt ein teurer Winterabend voll auf deine Rechnung durch.
Ein dynamischer Tarif rechnet jede Viertelstunde einzeln ab. Dafür muss der Zähler deinen Verbrauch zeitgenau messen und übertragen, und das kann nur ein intelligentes Messsystem. Mit einem alten Zähler oder einer modernen Messeinrichtung ohne Kommunikationseinheit bleibt dir der Tarif verschlossen.
Bei einer Wärmepumpe, einer Wallbox oder einem Verbrauch über 6.000 Kilowattstunden im Jahr baut der Messstellenbetreiber das Smart Meter ohnehin nach und nach ein. Hast du noch keines, kannst du den Einbau beim grundzuständigen Messstellenbetreiber beantragen. Wie du erkennst, welcher Zähler bei dir hängt, steht im Beitrag zum Stromzähler.
Nimm einen Haushalt in Dossenheim, der für sein E-Auto rund 2.500 Kilowattstunden im Jahr lädt. Im bisherigen Vertrag kostet jede Kilowattstunde 32 Cent. Im dynamischen Tarif machen die festen Bestandteile in diesem Beispiel 22 Cent aus, der Rest hängt von der Uhrzeit ab.
| Ladezeit | Preis je kWh im Beispiel | Ladekosten im Jahr | Unterschied zum festen Tarif |
|---|---|---|---|
| Fester Tarif, egal wann | 32 Cent | 800 Euro | Vergleichswert |
| Dynamisch, Laden in der Nacht | 29 Cent | 725 Euro | 75 Euro weniger |
| Dynamisch, Laden am frühen Abend | 40 Cent | 1.000 Euro | 200 Euro mehr |
Beispielwerte zur Veranschaulichung, kein Versprechen. Börsenpreise, Netzentgelte und Aufschläge unterscheiden sich je nach Anbieter und Jahr.
Der Unterschied entsteht allein durch die Uhrzeit. Wer das Auto nachts oder in sonnigen Mittagsstunden lädt, spart einen überschaubaren Betrag. Wer nach der Arbeit einsteckt und sofort lädt, zahlt drauf, und zwar deutlich mehr, als er im besten Fall gespart hätte.
Beim E-Auto hast du die Ladezeit selbst in der Hand. Eine Wärmepumpe läuft dagegen dann, wenn es kalt ist, also vor allem im Winter, morgens und abends. In diesen Stunden ist Strom an der Börse meist teurer, weil wenig Sonne da ist und der Verbrauch im ganzen Netz hoch ist.
Ein Spielraum entsteht erst mit einem Pufferspeicher oder einem gut gedämmten Haus, das ein paar Stunden Pause verträgt. Dann lässt sich die Wärmepumpe so steuern, dass sie in günstigen Stunden mehr leistet und in teuren weniger. In älteren Häusern in Heidelberg oder an der Bergstraße fehlt dieser Puffer oft, und der dynamische Tarif wird dort schnell zur Wette auf milde Winter.
Ob dein Versorger den dynamischen Tarif auch für einen separaten Wärmepumpenzähler anbietet, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Wie die Messung bei Wärmepumpen grundsätzlich funktioniert, habe ich auf meiner Seite zu Wärmepumpe und Nachtspeicher beschrieben.
Für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpe und Wallbox gibt es seit 2024 reduzierte Netzentgelte nach § 14a EnWG. Seit April 2025 bieten die Netzbetreiber zusätzlich zeitvariable Netzentgelte an, mit günstigen und teuren Zeitfenstern über den Tag.
Kombiniert mit einem dynamischen Tarif bewegt sich damit auch ein Teil der festen Kosten mit der Uhrzeit. Im Rhein-Neckar-Kreis legt jeder Netzbetreiber seine Zeitfenster selbst fest, deshalb lohnt sich ein Blick auf das Preisblatt deines Netzbetreibers, bevor du rechnest.
Ein Haushalt ohne Wärmepumpe, ohne E-Auto und ohne Speicher verbraucht den meisten Strom morgens und abends, wenn gekocht, gewaschen und ferngesehen wird. Das sind die teuren Stunden. Wer seinen Alltag nicht nach dem Börsenpreis ausrichten will, fährt mit einem guten festen Tarif in der Regel ruhiger.
Dazu kommt das Risiko. Nach dem Energiepreisschock von 2022 weiß jeder, wie schnell Börsenpreise steigen können. Im festen Vertrag schützt dich eine Preisgarantie für eine gewisse Zeit, im dynamischen Tarif trägst du jede Schwankung sofort selbst.
Dynamische Tarife unterscheiden sich stärker, als die Werbung vermuten lässt. Vergleiche vor dem Abschluss vor allem diese Punkte.
In meiner Arbeit in Dossenheim und im Rhein-Neckar-Kreis rate ich zu einem dynamischen Tarif, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein Smart Meter, ein großer Verbraucher, dessen Laufzeit sich verschieben lässt, und die Bereitschaft, ein paar Monate lang die eigenen Verbrauchsdaten anzusehen. Fehlt eins davon, bleibt der Vorteil meist klein.
Schick mir deine letzte Jahresrechnung und sag mir, welche Geräte bei dir laufen. Dann rechne ich mit deinen echten Zahlen aus Dossenheim, Heidelberg oder Mannheim durch, ob sich der Wechsel für dich trägt oder ob ein fester Tarif besser passt.
Ja, seit dem 1. Januar 2025 sind alle Stromlieferanten nach § 41a EnWG verpflichtet, Kunden mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Stromtarif anzubieten. Vorher galt die Pflicht nur für große Versorger. Auch die Grundversorger im Rhein-Neckar-Kreis müssen einen solchen Tarif im Angebot haben, die Konditionen unterscheiden sich aber stark von Anbieter zu Anbieter.
Ja, ohne intelligentes Messsystem lässt sich ein dynamischer Stromtarif nicht abrechnen, weil der Verbrauch je Viertelstunde gemessen werden muss. Bei mehr als 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, einer Wärmepumpe oder einer Wallbox wird das Smart Meter nach und nach ohnehin eingebaut. In Dossenheim und Umgebung beantragst du den Einbau sonst beim grundzuständigen Messstellenbetreiber.
Mit einer Wärmepumpe lohnt sich ein dynamischer Stromtarif meist nur, wenn ein Pufferspeicher oder ein gut gedämmtes Haus Spielraum für die Laufzeiten lässt. Wärmepumpen laufen vor allem an Winterabenden, wenn Börsenstrom teuer ist. In älteren Häusern in Heidelberg und an der Bergstraße fehlt dieser Puffer oft, dann ist ein fester Wärmestromtarif die ruhigere Wahl.
Der Börsenpreis kann an sonnigen und windigen Tagen unter null fallen, dein Endpreis bleibt trotzdem fast immer positiv. Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen und Mehrwertsteuer fallen weiter an, in einem Rechenbeispiel aus Dossenheim rund 22 Cent je Kilowattstunde. Ob ein negativer Börsenpreis überhaupt an dich weitergegeben wird, steht in den Vertragsbedingungen.
Für dynamische Stromtarife gelten dieselben Regeln wie für jeden anderen Sondervertrag mit Privatkunden. Die Erstlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen, danach ist der Vertrag mit einem Monat Frist kündbar. Viele Anbieter dynamischer Tarife verzichten ganz auf eine Mindestlaufzeit, was Haushalte im Rhein-Neckar-Kreis vor dem Abschluss im Vertrag prüfen sollten.
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Kirsten Finke
Persönliche Energiekostenberatung in Dossenheim. Seit 2013 in der Energiebranche.