Stromvertrag

Neukundenbonus: Warum deine Rechnung im zweiten Jahr steigt

Von Kirsten Finke · August 2026 · Lesezeit 6 Minuten

Der Bonus ist eine einmalige Zahlung, der Tarifpreis dahinter aber dauerhaft. Im ersten Jahr senkt der Bonus deine Kosten, im zweiten Jahr zahlst du den vollen Arbeits- und Grundpreis, und der liegt bei Bonus-Tarifen meistens über dem Marktdurchschnitt. Deshalb steigt die Rechnung, obwohl sich am Vertrag nichts geändert hat.

Inhalt

Wie Bonus-Tarife kalkuliert sind

Ein Anbieter, der dir 150 Euro Bonus zahlt, verschenkt kein Geld. Er holt sich den Betrag über die Laufzeit zurück, und zwar über einen Arbeitspreis oder Grundpreis, der etwas höher liegt als bei Tarifen ohne Bonus. Solange du im ersten Jahr bist, gleicht der Bonus das aus. Danach nicht mehr.

Vergleichsportale sortieren standardmäßig nach den Kosten im ersten Jahr. Ein Tarif mit hohem Bonus und mittelmäßigem Preis landet dort weiter oben als ein Tarif mit dauerhaft niedrigem Preis ohne Bonus. Das ist keine Manipulation, sondern schlicht die Voreinstellung. Man muss nur wissen, dass man sie umstellen kann.

Sofortbonus und Neukundenbonus sind nicht dasselbe

Art Wann er kommt Worauf du achten solltest
Sofortbonus meist nach den ersten Monatsabschlägen, oft innerhalb der ersten Wochen vergleichsweise sicher, weil er früh auf dem Konto ist
Neukundenbonus oder Treuebonus erst mit der ersten Jahresabrechnung, also nach zwölf Monaten hängt oft daran, dass du die vollen zwölf Monate beliefert wurdest
Wechselbonus teils erst nach Ende der Erstlaufzeit fällt am ehesten weg, wenn beim Wechsel etwas dazwischenkommt

Der Unterschied wird wichtig, sobald du früher kündigst oder umziehst. Ein Sofortbonus ist dann in der Regel schon geflossen. Auf einen Bonus, der an zwölf Monate Belieferung gekoppelt ist, wartest du unter Umständen vergeblich.

Was im zweiten Jahr passiert

Ein Beispiel mit gerundeten Zahlen für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden im Jahr.

Bonus-Tarif Tarif ohne Bonus
Arbeitspreis 32 ct/kWh 28 ct/kWh
Grundpreis 11 € im Monat 10 € im Monat
Kosten im ersten Jahr 1.252 € 1.100 €
Einmaliger Bonus −150 € keiner
Zahlbetrag erstes Jahr 1.102 € 1.100 €
Zahlbetrag zweites Jahr 1.252 € 1.100 €
Summe über zwei Jahre 2.354 € 2.200 €

Beispielrechnung, keine echten Tarife.

Sie zeigt das Muster: Im ersten Jahr nehmen sich beide Tarife praktisch nichts, im zweiten Jahr liegen 150 Euro dazwischen. Wer den Bonus-Tarif abschließt und dann nichts weiter tut, zahlt über zwei Jahre mehr, obwohl er sich für das günstigere Angebot entschieden zu haben glaubte.

Hinzu kommt: Der Bonus taucht als Gutschrift auf der Jahresrechnung auf, oft direkt neben der Verbrauchsabrechnung. Für viele fühlt sich das erste Jahr deshalb noch besser an, als es war, und der Sprung im zweiten Jahr entsprechend härter.

Was im Kleingedruckten steht

Boni sind fast immer an Bedingungen geknüpft. Die vier, die mir am häufigsten begegnen:

Der Bonus wird nur gezahlt, wenn du über die volle Erstlaufzeit beliefert wurdest.
Der Bonus gilt nur für Haushalte, die in den letzten sechs oder zwölf Monaten nicht schon Kunde beim selben Anbieter oder einer Tochtergesellschaft waren.
Der Bonus ist an einen Mindestverbrauch gekoppelt. Wer darunter bleibt, bekommt weniger oder gar nichts.
Der Bonus wird nur verrechnet, nicht ausgezahlt. Bei einer kleinen Jahresrechnung bleibt dann ein Rest stehen, der verfällt.

Diese Klauseln sind nicht automatisch unwirksam. Sie stehen in den Vertragsbedingungen, und wenn du unterschreibst, gelten sie. Deshalb lohnt es sich, vor dem Abschluss genau die zwei Sätze zu lesen, in denen steht, wann und wie der Bonus gezahlt wird.

Die Preisgarantie deckt weniger ab, als der Name sagt

Fast jeder Bonus-Tarif wird mit einer Preisgarantie beworben. In den meisten Fällen ist es eine eingeschränkte Preisgarantie. Sie gilt nur für den Energiepreisanteil, also den Teil, den der Anbieter selbst kalkuliert. Netzentgelte, Umlagen, Steuern und Abgaben sind ausgenommen, und genau diese Bestandteile sind es, die sich in den letzten Jahren am stärksten bewegt haben.

Eine echte Vollpreisgarantie deckt alles ab und ist entsprechend selten. Wenn im Tarifblatt „eingeschränkte Preisgarantie" steht, heißt das: Der Preis kann sich während der Garantiezeit ändern, nur eben nicht in jedem Bestandteil.

Wann du kündigen kannst

Bei Verträgen, die seit dem 1. März 2022 geschlossen wurden, gilt § 41b EnWG. Nach dem Ende der vereinbarten Erstlaufzeit läuft der Vertrag unbefristet weiter und ist mit einer Frist von höchstens einem Monat kündbar. Die alte Regel mit automatischer Verlängerung um ein volles Jahr und drei Monaten Kündigungsfrist betrifft nur ältere Verträge.

Dein Anbieter muss dir den Eingang der Kündigung innerhalb einer Woche in Textform bestätigen und dabei das Vertragsende nennen. Kommt diese Bestätigung nicht, hak nach und dokumentiere das.

Ein Hinweis zum Timing: Wenn dein Bonus an zwölf Monate Belieferung gekoppelt ist, kündige nicht zu früh. Kündigen zum Ende der Erstlaufzeit ist meistens unproblematisch, weil die Belieferung dann volle zwölf Monate gelaufen ist. Riskant wird es, wenn die Erstlaufzeit kürzer ist als der Zeitraum, an den der Bonus gebunden ist. Welche Frist dabei gilt und was passiert, wenn du sie verpasst, steht ausführlich im Beitrag zur Kündigung.

Wie du mit Bonus-Tarifen umgehst, ohne dich zu ärgern

Bonus-Tarife sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie sind nur Tarife mit Verfallsdatum. Wer das weiß, kann sie nutzen.

1.

Vergleiche nach den Kosten im zweiten Jahr, nicht im ersten. Die meisten Portale bieten dafür einen Filter oder eine zweite Spalte.

2.

Trage dir direkt beim Abschluss einen Termin ein, ungefähr zwei Monate vor Ende der Erstlaufzeit. Dann hast du genug Zeit zu prüfen und zu kündigen.

3.

Prüfe vor dem Abschluss, unter welchen Bedingungen der Bonus gezahlt wird.

4.

Sieh dir an, ob die Preisgarantie eingeschränkt ist und wie lange sie läuft.

Wer keine Lust auf diesen Rhythmus hat, ist mit einem Tarif ohne Bonus und dauerhaft niedrigem Preis oft besser dran. Der spart im ersten Jahr weniger und im zweiten mehr.

Was ich mir bei einem Vertrag ansehe

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Wenn es zu einer Auseinandersetzung mit deinem Versorger kommt, ist eine Anwältin oder ein Anwalt die richtige Adresse.

Kurz gesagt

Der Bonus ist einmalig, der höhere Tarifpreis dahinter läuft weiter. Deshalb steigt die Rechnung im zweiten Jahr.
Prüfe vor dem Abschluss, ob der Bonus an zwölf Monate Belieferung oder einen Mindestverbrauch gekoppelt ist.
Verträge seit dem 1. März 2022 sind nach der Erstlaufzeit mit höchstens einem Monat kündbar, nach § 41b EnWG.

Häufige Fragen zum Neukundenbonus

Kirsten Finke

Kirsten Finke

Persönliche Energiekostenberatung, Dossenheim bei Heidelberg

Ich prüfe seit über 13 Jahren Strom-, Gas- und Wärmeverträge für Haushalte, Gewerbe und Industrie und sage meinen Kundinnen und Kunden ehrlich, ob sich ein Wechsel lohnt.

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Zuletzt aktualisiert: August 2026

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Kirsten Finke, Autorin dieses Beitrags

Kirsten Finke

Persönliche Energiekostenberatung in Dossenheim. Seit 2013 in der Energiebranche.

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